Retourenmanagement im Onlineshop: Prozess, Kosten und wie Sie die Retourenquote senken
· 12 Min. Lesezeit · Shop-Betrieb
Kurze Antwort: Retourenmanagement heißt, Rücksendungen zu planen, sauber abzuwickeln und auszuwerten, damit sie Sie möglichst wenig Geld kosten. Dazu gehören ein klarer Ablauf vom Widerruf bis zur Erstattung, die Einhaltung der gesetzlichen Fristen, eine schnelle Prüfung und Wiedereinlagerung der Ware und das Messen Ihrer Retourenquote pro Produkt. Am meisten sparen Sie aber vorher: mit genauen Produktangaben, guten Fotos und Größenhinweisen, damit gar nicht erst falsch bestellt wird. Ob sich ein Artikel trotz Rücksendungen lohnt, sehen Sie am besten auf einer Shop-Plattform, die den Gewinn pro Bestellung nach Versand und Gebühren ausweist.
Was ist Retourenmanagement?
Die Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg beschreibt es als Planung, Durchführung und Kontrolle der Retouren und der damit verbundenen Informations- und Finanzflüsse. Für einen kleinen Onlineshop bedeutet das ganz praktisch drei Aufgaben:
- Vorbeugen (präventives Retourenmanagement): Rücksendungen vermeiden, die durch falsche Erwartungen entstehen.
- Abwickeln: Widerruf annehmen, Ware empfangen, prüfen, erstatten und wieder verkaufbar machen.
- Auswerten: messen, welche Produkte wie oft und warum zurückkommen, und daraus Entscheidungen ableiten.
Im Online- und Versandhandel ist das keine Nebensache. Jede Retoure kostet Porto, Arbeitszeit und manchmal die Ware selbst. Wer sie nicht im Blick hat, merkt erst am Monatsende, dass ein Bestseller in Wahrheit Geld verliert.
Was das Gesetz beim Widerruf vorgibt
Bevor Sie Ihren Retourenprozess gestalten, kennen Sie den Rahmen. Bei Verbrauchern im Fernabsatz gilt:
- 14 Tage Widerrufsfrist (§ 355 Abs. 2 BGB). Beim Warenkauf beginnt sie in der Regel erst, wenn der Kunde die Ware erhalten hat, bei Teillieferungen mit der letzten Sendung (§ 356 Abs. 2 BGB). Ohne ordnungsgemäße Belehrung beginnt sie nicht; das Widerrufsrecht erlischt dann spätestens nach zwölf Monaten und 14 Tagen (§ 356 Abs. 3 und 4 BGB).
- Keine Begründung nötig. Der Kunde muss den Widerruf eindeutig erklären, einen Grund muss er nicht nennen. Bieten Sie ein Widerrufsformular auf Ihrer Website an, müssen Sie den Eingang unverzüglich auf einem dauerhaften Datenträger bestätigen, etwa per E-Mail (§ 356 Abs. 1 BGB).
- Erstattung spätestens nach 14 Tagen (§ 357 Abs. 1 BGB), einschließlich der Hinsendekosten bis zur Höhe Ihrer günstigsten Standardlieferung (Abs. 2), und zwar mit demselben Zahlungsmittel, das der Kunde genutzt hat (Abs. 3).
- Sie dürfen die Rückzahlung zurückhalten, bis die Ware bei Ihnen ist oder der Kunde nachweist, dass er sie abgeschickt hat (§ 357 Abs. 4 BGB).
- Rücksendekosten bei Widerruf: Die unmittelbaren Kosten trägt der Kunde, wenn Sie ihn vorher darüber informiert haben, es sei denn, Sie haben erklärt, sie selbst zu übernehmen (§ 357 Abs. 5 BGB). Das Risiko, dass die Ware auf dem Rückweg verloren geht, tragen Sie (§ 355 Abs. 3 BGB).
- Wertersatz: Hat der Kunde die Ware mehr benutzt, als zum Prüfen nötig war, kann er für den Wertverlust haften, sofern Sie ordnungsgemäß belehrt haben (§ 357a Abs. 1 BGB).
Wie die Erstattung der Hinsendekosten Ihre Kalkulation beeinflusst, zeigt der Beitrag Onlineshop-Versandkosten kalkulieren.
Der Retourenprozess in fünf Schritten
Ein guter Ablauf ist für Kunden einfach und für Sie wiederholbar. So sieht er in einem kleinen Shop aus:
- Rücksendung anmelden. Der Kunde meldet sich per Formular oder E-Mail. Sie bestätigen den Eingang sofort und schicken ihm eine kurze Anleitung: Adresse, Verpackungshinweis und, falls Sie es anbieten, ein Rücksendeetikett. Fragen Sie freiwillig nach dem Grund, mit wenigen festen Antworten wie „zu klein“, „zu groß“, „anders als erwartet“, „beschädigt“.
- Wareneingang erfassen. Notieren Sie für jedes Paket Bestellnummer, Datum und Inhalt. Fotografieren Sie beschädigte Ware beim Öffnen, das hilft bei Streit mit dem Kunden oder dem Paketdienst.
- Prüfen und einstufen. Legen Sie feste Kategorien fest: A = wie neu, sofort wieder verkaufbar; B = Verpackung beschädigt oder leichte Gebrauchsspuren, als B-Ware oder mit Rabatt verkaufbar; C = defekt, Reklamation beim Lieferanten oder Reparatur.
- Erstatten. Zahlen Sie innerhalb der Frist zurück, über dasselbe Zahlungsmittel. Prüfen Sie dabei, ob ein Wertersatz in Frage kommt, und dokumentieren Sie den Grund.
- Wieder einlagern und Bestand korrigieren. A-Ware kommt sofort zurück in den Bestand, damit sie wieder verkauft werden kann. Jeder Tag im Retourenregal ist ein Tag, an dem Ware nicht verkauft wird, besonders bei saisonaler Mode.
Wichtig für die Weiterverwertung: Nach § 23 KrWG gehört zur Produktverantwortung eine Obhutspflicht. Wer Erzeugnisse vertreibt, muss auch bei Rücknahme oder Rückgabe dafür sorgen, dass sie gebrauchstauglich bleiben und nicht zu Abfall werden. Planen Sie für B- und C-Ware deshalb einen Weg ein, etwa Verkauf als B-Ware, Reparatur oder Rückgabe an den Lieferanten, statt sie einfach zu entsorgen.
Retourenquote berechnen
Die Retourenquote zeigt, welcher Anteil Ihrer verkauften Ware zurückkommt. Die übliche Formel:
Retourenquote = zurückgesendete Artikel ÷ versendete Artikel × 100
Sie können sie auch nach Bestellungen oder nach Umsatz berechnen; wichtig ist, dass Sie immer dieselbe Basis verwenden. Eine Quote für den ganzen Shop hilft wenig. Aussagekräftig wird sie erst pro Produkt, pro Größe und pro Retourengrund. Diese Kennzahlen (KPIs) lohnen sich auch für kleine Shops:
- Retourenquote pro Artikel und pro Variante
- häufigster Retourengrund pro Artikel
- Tage vom Wareneingang bis zur Erstattung
- Anteil der A-Ware, die wieder verkauft wird
- Retourenkosten pro Bestellung
Was eine Retoure wirklich kostet: Beispielrechnung
Die folgenden Zahlen sind Annahmen, keine Marktwerte. Setzen Sie Ihre eigenen ein.
- Erstattete Hinsendekosten (Standardversand) — 4,90 €
- Rücksendeporto, wenn Sie es freiwillig übernehmen — 5,00 €
- Arbeitszeit: Annahme, Prüfung, Erstattung (10 Minuten) — 3,00 €
- Neue Verpackung für den Wiederverkauf — 0,50 €
- Wertverlust, wenn als B-Ware verkauft (Durchschnitt) — 2,00 €
- Kosten pro Retoure — 15,40 €
Verkaufen Sie in diesem Beispiel ein Kleid für 59 € mit 20 € Gewinn pro behaltener Bestellung und kommt jedes dritte Kleid zurück, dann stehen zwei behaltenen Bestellungen mit 40 € Gewinn eine Retoure mit 15,40 € Kosten gegenüber. Vom Gewinn bleiben also rund 24,60 € statt 40 €. Lassen Sie den Kunden das Rücksendeporto tragen, sinken die Kosten in diesem Beispiel auf 10,40 € pro Retoure. Ob Sie das tun, ist eine Abwägung zwischen Marge und Kaufbereitschaft.
Präventives Retourenmanagement: Retourenquote senken
Die günstigste Retoure ist die, die nie entsteht. Die meisten Gründe lassen sich vorher angehen:
- Genaue Produktangaben: Maße, Material, Gewicht, Farbe unter Tageslicht. „Anders als erwartet“ ist oft ein Textproblem, kein Produktproblem.
- Größentabellen mit echten Maßen: Geben Sie gemessene Werte in Zentimetern an und einen Hinweis, ob ein Artikel klein oder groß ausfällt. Lesen Sie die Retourengründe regelmäßig und passen Sie die Hinweise an.
- Gute Fotos: mehrere Perspektiven, Detailaufnahmen, ein Foto in Benutzung oder mit Größenvergleich.
- Beratung vor dem Kauf: Beantworten Sie Fragen schnell. Ein Kunde, der unsicher ist, bestellt sonst zwei Größen und schickt eine zurück.
- Sichere Verpackung: Bruch- und Transportschäden sind vermeidbare Retouren.
- Ehrliche Lieferzeiten: Kommt ein Geschenk zu spät, kommt es oft zurück.
- Sortiment prüfen: Hat ein Artikel trotz aller Maßnahmen eine hohe Quote, nehmen Sie ihn aus dem Sortiment. Bei der Auswahl neuer Ware hilft der Beitrag Welche Produkte online verkaufen?, der Retouren schon bei der Produktwahl mitdenkt.
Wie Favenda hilft
In Favenda sehen Sie zu jeder Bestellung den echten Gewinn, also nach Versand und Gebühren. Wenn Sie Ihre Retourenkosten danebenlegen, erkennen Sie schnell, welche Artikel sich trotz Rücksendungen lohnen. Versandtarife legen Sie nach Gewicht fest, dazu eine Versandkostenfrei-Grenze, sodass die Hinsendekosten, die Sie bei einem Widerruf erstatten, sauber kalkuliert sind. Mit DHL Express, UPS und FedEx sind Etikettendruck, Handelsrechnung und automatische Sendungsverfolgung integriert, und für jedes Land richten Sie eine Verkaufsregion mit eigener Währung, eigenen Zahlungsarten und eigenen Versandtarifen ein. Favenda nimmt keine Transaktionsgebühren; Hosting, SSL, Backups und Updates sind enthalten. Das Paket Store kostet 69 USD pro Monat, zzgl. MwSt.; bei jährlicher Zahlung sind zwei Monate kostenlos.
Häufige Fragen
Wer trägt die Retourenkosten bei Widerruf?
Die unmittelbaren Rücksendekosten trägt der Kunde, wenn Sie ihn vorher darüber informiert haben, zum Beispiel in der Widerrufsbelehrung. Die ursprünglichen Hinsendekosten müssen Sie bis zur Höhe Ihrer günstigsten Standardlieferung erstatten.
Muss ich den Kaufpreis erstatten, bevor die Ware zurück ist?
Nein. Beim Warenkauf dürfen Sie die Rückzahlung verweigern, bis Sie die Ware zurückerhalten haben oder der Kunde nachweist, dass er sie abgeschickt hat, außer Sie haben angeboten, die Ware abzuholen.
Wie berechne ich die Retourenquote?
Teilen Sie die Zahl der zurückgesendeten Artikel durch die Zahl der versendeten Artikel und multiplizieren Sie mit 100. Berechnen Sie sie pro Produkt und Größe, damit Sie sehen, wo Sie ansetzen müssen.
Quellen: Bürgerliches Gesetzbuch (§§ 355, 356, 357, 357a) und Kreislaufwirtschaftsgesetz (§ 23) auf gesetze-im-internet.de; Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg (Definition). Stand: 26. Oktober 2026. Die Beispielrechnung verwendet Annahmen, keine Marktwerte. Dieser Beitrag ist keine Rechtsberatung.